So lernt mein Hund

 

Canis Lupus
Für unsere Welpenkäufer ist es sicherlich spannend etwas über den Urahn ihres künftigen Hausgenossen zu erfahren.

Ich wünsche dem geneigten Leser viel Vergnügen beim Schmökern.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse über die Ausbildung von Hunden: Unsere Schwierigkeiten mit der Konsequenz. Menschen haben durch ihre Sprachvielfalt mehr Differenzierungsmöglichkeiten, kennen auch das Entweder-oder, das Vielleicht. Sie wollen Eindeutigkeit, sonst nehmen Sie sich, was sie kriegen können, unter anderem die Herrschaft.

Dies ist bei unterwürfigen Hunden, die auch nach dem Welpenalter leicht und locker zu "beherrschen" und damit auch zu führen sind, weniger das Problem. Devote Hunde sind leicht zu führen, geradezu soldatenhaft gehorsam.Wir wollen einen selbstständigen, selbstsicheren Hund, der seinen Willen ausleben darf, und zwar in den Grenzen, die wir ihm setzen.

Ein schlauer, selbstbewusster Hund braucht eine konsequente Ordnung, sonst "erkämpft" er sich mit aller seiner nicht zu unterschätzenden Intelligenz seine Freiheiten, versucht mit aller Schläue, mehr für seine biologischen Eigennutz herauszuholen. Hundeausbildung ist ein Prozess, kein Zustand. Und gerade eigenwillige Hunde lehren uns, was Konsequenz ist.

Was brauche ich?
Viele Menschen möchten, dass ihr Hund "aufs Wort folgt". Da sind schon zwei Irrtümer enthalten. "Worte" zu verstehen, muss ihm erst gelernt werden. Und was das Folgen anbelangt, geschieht das bei den Welpen von Hundemüttern aus Überlebenswillen. Sie folgen - buchstäblich - ihrer Hundemutter: um etwas zu lernen, und um Gefahren aus dem Wege zu gehen. Das sind die einzigen, weil biologischen Prinzipien des Folgens.

Die Fahrt
Die Fahrt, die Pausen und das Ziel
Künftig wird der Pilot (der kein Angeber und kein Anfänger sein darf) fahren wie mit einem Krankentransporter, soll der Hund Autofahren nicht zum Kotzen finden. Also ruckfrei, keine überflüssigen Beschleunigungs- und Notbremsungsmanöver. Zuhause setzen wir den Welpen erst einmal im Garten ab. Hier kann er sich lösen und weis dann gleich, wo das "Klo" ist.

Wer ist hier der Boß?????
Fürs erste genügt, weil der überglückliche Mensch zu viel zu tun hat mit dem Glücklichsein und Beobachten, dass man dem Welpen die menschlichen Hände langsam entzieht. Sie sind fortan - auch wenn es schwerfällt, andererseits wiederum nicht, weil die Zähnchen spitz sind - keine Spielzeuge mehr. Hände müssen immer etwas Gutes für den Hund bedeuten. Er würde fürchterlich verwirrt, wenn ihn die Hand, die ihn versorgt, auch streichelt, plötzlich zu einer Waffe würde. Hunde machen dies ehrlicher. Sie können als erfahrene Tiere mit ihrem Multifunktionswerkzeug Gebiss sehr sensibel umgehen. Aber das und noch viel mehr muss der Welpe erst noch lernen. Seinen Beissdrang kann man mit geeigneten Spielzeugen (kein Plastik) befriedigen. Er muss sich ja nun anderweitig beschäftigen, weil die Geschwister nicht mehr da sind, mit denen man sich messen kann, bei denen man Nestwärme vorfindet. Sie sind für ihn nicht Welpe, sie sind Rudelführer! Wenn Sie diese Rolle abgeben, wird er sie bald übernehmen, und Sie merken es später. Er nimmt sich nur, was er kriegen kann. Sie fangen sofort damit an, ein Spiel anzupfeifen, und es auch zu beenden: vom Boden wieder aufstehen und Spielzeug wegstellen. Sie bestimmen fortan die Regeln. So stellen Sie klar, wer hier der Boss ist. (Hier dürfen Sie es endlich sein, also tun Sie es.)

Kommt er ??
Seien Sie ein Souverän gegenüber ihrem Hund, spielen Sie mit ihm, aber nie gegen ihn. Höhere Lebewesen lernen früh und schnell. Also keine Ausreden Ihrerseits. Sie können dem Welpen schon in den ersten Tagen beibringen, dass er gemeint ist, wenn Sie seinen Namen rufen. Dazu klatschen Sie in die Hände, um durch dieses Geräusch seine Aufmerksamkeit zu erregen, und als Signal, dass es von Ihnen ausgeht, und sagen dazu seinen Namen. Kommt er dann auch noch rein zufällig zu Ihnen, verknüpfen Sie dies sofort mit einem „Hier". Wunderbar! Er hat Ihr Hörzeichen mit der Umsetzung verknüpft. Die Verknüpfung zum richtigen Zeitpunkt ist das Geheimnis der Ausbildung. Und wenn Sie ihn unmittelbar danach loben und belohnen (Fleischwurst), haben Sie das Prinzip des Lehrens begriffen.

Rangordnung
Rangordnungs-Training
Dies ist die wichtigste Lernübung für den Welpen, weil sie in seiner intensivsten Lernphase, der Prägephase zwischen der 5. und 12. Lebenswoche, geübt wird.

Der Welpe hat schon bei seiner Mutter und mit seinen Wurfgeschwistern gelernt, dass Hund sich durchsetzen muss, um zu seinen existenzsichernden Bedürfnissen zu kommen. Darf er im neuen Zuhause tun und lassen was er will, wird er sich diese neue Bequemlichkeit sofort erobern und verteidigen. Es wäre ein dummer Hund, wenn er es nicht täte. So wird er schnell zum "Manager" gemacht. Im Rudel selber bekäme er dafür sofort eins auf die „Schnauze". Da gab es eine klare Rangordnung. Im neuen Rudel muss die Hausordnung aktualisiert werden.

Am ersten Tag schon, natürlich, wann sonst? Hunde denken konsequent biologisch. Sie nehmen sich, was sie bekommen können. Wir aber legen als  Rudelführer die Regeln fest. Er wird sie täglich überprüfen. Ob es nicht doch kleine Regeländerungen gibt. erleichtern die künftige Rangordnung. Ein eingeordneter Hund ist ein zufriedener.

Fix und foxi
Wiederholung und Konsequenz machen den Erfolg.
Und dann ist erst mal Ruhe, wenn er seinen Rückzugsplatz gefunden hat. Schliesslich sind Sie nun auch fix und foxi. Im Übrigen wird der Hund, und sei er noch so niedlich, ausser dem Blitztransport zum richtigen Hundeklo, nie getragen! Er ist ein Lauftier und nicht krank! Nur ins Auto, anfangs keine Treppen, vor allem keine glatten und durchsichtigen, da kann er auf den Arm genommen werden.

Aber wie richtig tragen? Eine Hand unter den Brustkorb und Hals, die andere unter das Gesäss schieben. Kinder tragen den Hund nicht, denn sie könnten ihn fallen lassen. Er ist kein Teddybär, kein Spielzeug!

Die wichtige Prägephase gilt für alle jungen Hunde zwischen der fünften und zwölften Lebenswoche. Man nehme daher bitte auch den entzückendsten Welpen ernst - und nicht als Ersatzbaby.

 

Wo?
Dass Fressen nur in der Hundeschüssel stattfindet, ist hundelogisch. Sonst erzieht man sie zu Bettlern. Es braucht nur eine Ausnahme. Denn der Hund ist streng und konsequent. Er lauert auf seine Gelegenheit, wartet wie ein Jäger. Und wenn doch was runterfällt, manche Menschen sind da irre selbstbelügend, dann hat er gewonnen. Merken Sie was, wie das geht, wer da wen „erzieht"? Sie werden verlieren, aber bemühen Sie sich und sagen Sie nie zu Ihrem Hund: Du Bettler! Es wäre eine völlig falsche Berufsbezeichnung: Er nimmt sich nur, was er kriegen kann. Da fängt er als ganz Kleiner an.

Doof??????????
Er will lernen - mit Ihnen
Besuchen Sie mit ihm eine Welpenschule. Er lernt den Sozialkontakt und vor allem die Rangordnung mit anderen Hunden. Und sie lernen mit ihm. Solche Kontakte entscheiden über seinen Charakter. Es entscheidet sich, ob aus ihm eine "Schissbuxe" wird oder ein Souverän. Welpe ist der Hund, bis er seine Zähne wechselt, das ist je nach Entwicklung verschieden, aber meist nicht vor dem vierten Monat. Spätestens zum sechsten Monat sind die spitzen Beisserchen endlich ersetzt und hoffentlich vollzählig. Dann ist er kein Welpe mehr, er wird Junghund. Denn dieser Beitrag war nur eine Anleitung für die ersten glücklichen, aber erschöpfenden Schritte.

Ein Hund, der nichts lernen darf, bleibt ein dummer Hund. Spielen ist ein entscheidende Vorstufe. Spielen ist Lernen zum Überleben. Und spielen Sie mit ihm, lassen Sie ihn dabei nicht allein, denn beim Spielen, sogar dem Anpfiff und der Beendigung, da fängt der Kindergarten-Unterricht schon an. Hier zeigt es sich schon, wer der wahre Herr im Haus ist.

Man darf sich nicht davon abhalten lassen, dass er ja noch so klein und so süss sei. Er wird Ihnen dann bald zeigen, was er davon hält. Er ist ja nicht doof. Wer ihn jedoch für doof hält, ist selber ...

Strafe ?
Strafen?
Strafen kennen Tiere untereinander nicht. Sie weisen sich und andere zurecht. Korrekturen im Hundesinne sind: Aus dem Spielplatz entfernen, Überschnauzenpacken - nicht zudrücken, nur packen, wie die Hunde es auch tun. Korrekte Verbotshörzeichen: „Nein!", am besten geknurrt „Nnnaaa!". Und immer unmittelbar, noch besser im Ansatz der „Untat". Zu spätes „Strafen" verwirrt den Hund, er verknüpft es nicht mehr mit dem Verbot.

Am besten, man schaut sich das bei den Hundeeltern ab. Die können das. Wir streben doch an, unseren Hund wie bei Familie Wolf zu erziehen, weil wir diese Rangstruktur in seiner tierlichen Verständlichkeit bewundern. Haben Sie schon mal ein Elektroschockgerät bei einem Wolf gesehen? Haben Sie schon mal gesehen, wie erwachsene Wölfe sich gegenseitig verknuddeln? Aber dort sprechen sie mit ihrem ganzen Körper. Sie setzen ihn ein. Lernen wir von den Hunden wieder eindeutige Körpersprache. Für sprachgestörte Menschen, und das sind viele, können kommunikativ geprägte Hunde geradezu als Logo-Therapeuten wirken.

Marathon
Der erste Ausgang und die Überforderung
Ruhig spazieren gehen ist was anderes. Aber niemals Stress ausüben. Lassen Sie ihn neugierig sein. Lassen Sie ihn unten laufen, da, wo er hingehört. Und Kontakt aufnehmen zu anderen Hunden, wenn Sie deren Halter als sozial kennen! Schlechte Erfahrungen wird man nicht vermeiden können, soll man auch nicht, aber nicht gerade den guten vorziehen. Die ersten Spaziergänge sollten eine Viertelstunde nie überschreiten. Überforderung ist krankheitsfördernd. Konnten Sie mit - sagen wir mal - einem Jahr schon einen 5000-Meter-Lauf hinlegen?

Sie übernehmen den acht bis zehn Wochen alten Welpen, sofern er schon beim Züchter verantwortungsvoll auf Menschen und Umgebung geprägt wurde, für weitere zwei Wochen in der entscheidenden Prägephase. Nützen Sie diese Zeit. Zeigen Sie ihm seine und Ihre Umwelt. So wird er mit Ihnen selbstsicher.

War ich schon so früh erwachsen???
Sie trugen drei Jahre lang Windeln, sonst hätten Sie längst einen neuen Teppichboden. Oder waren Sie schon mit zwei Jahren erwachsen? Wer sich dessen nicht bewusst ist, möge sich einen weisen alten Hund zulegen. Oder ganz auf einen verzichten. Wer einen Putzfimmel hat oder ganz „wertvolle" Gegenstände in seiner Edelwohnung liebt - ebenso. Dabei könnte man selbst von einem Welpen angewandte Sozialkunde lernen. Wie macht ein verantwortungsvoller Hundefreund sich halbwegs verständlich, wie lehrt man dem Welpen die neue Hausordnung? Mit hundsgemeiner Biologie.

Was denn jetzt noch?
Die Zeilen sind nicht nur für unsere Welpenkäufer gedacht, sondern für alle Menschen, die sich mit dem Gedanken tragen, mit einem vierbeinigen Freund für's Leben, die "Höhle" zu teilen.